Pflegekräfte aus Vietnam: Anerkennung, Sprachpraxis und Stationsintegration
4 Min. Lesezeit

Pflegekräfte aus Vietnam: Anerkennung, Sprachpraxis und Stationsintegration

Wie gelingt die Einstellung vietnamesischer Pflegekräfte? Erfahren Sie alles über das Anerkennungsverfahren, sprachliche Vorbereitung und Stationsintegration.

Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Pflegedienste in Deutschland stehen vor enormen personellen Herausforderungen. Der demografische Wandel vergrößert die Lücke zwischen dem steigenden Versorgungsbedarf und dem verfügbaren Pflegepersonal von Jahr zu Jahr. Immer mehr Einrichtungen erweitern deshalb ihren Blickwinkel und rekrutieren Pflegefachkräfte aus Drittstaaten.

Vietnam gehört dabei seit vielen Jahren zu den etablierten und geschätzten Partnerländern. Vietnamesische Pflegekräfte verfügen in der Regel über eine fundierte drei- bis vierjährige Ausbildung an Universitäten oder Colleges, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und ausgeprägte Empathie im Patientenkontakt.

Damit die Zusammenarbeit in der Praxis gelingt, müssen Pflegedienstleitungen und Geschäftsführungen die behördlichen Abläufe und die Stationsintegration strategisch vorbereiten. Dieser redaktionelle Leitfaden fasst die wichtigsten Stationen zusammen.

1. Das Anerkennungsverfahren: Der Weg zur vollwertigen Pflegefachkraft

Pflegeberufe gehören in Deutschland zu den reglementierten Berufen. Das bedeutet: Wer als vollwertige Pflegefachfrau oder Pflegefachmann arbeiten möchte, benötigt eine staatliche Berufszulassung (Approbation bzw. Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung).

Das Verfahren läuft in der Regel über die zuständige Landesbehörde des jeweiligen Bundeslandes:

  1. Gleichwertigkeitsprüfung: Die Behörde vergleicht die vietnamesische Pflegeausbildung mit dem deutschen Curriculum nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG).
  2. Der Defizitbescheid: Da die vietnamesische Ausbildung häufig einen stärkeren Schwerpunkt auf medizinisch-theoretische Aspekte legt, während in Deutschland die pflegerische Praxis im Vordergrund steht, stellt die Behörde meist wesentliche Unterschiede fest.
  3. Ausgleichsmaßnahmen nach § 16d AufenthG: Der Bescheid definiert die Wahl zwischen zwei Wegen:
  • Anpassungslehrgang: Eine mehrmonatige praktische Tätigkeit im Betrieb unter Anleitung mit begleitendem Theorieunterricht und anschließendem Abschlussgespräch.
  • Kenntnisprüfung: Eine theoretische und praktische Prüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission.

Während dieser Anpassungsqualifizierung reisen die Fachkräfte mit einem Visum nach § 16d AufenthG ein und können im Betrieb bereits als Pflegeassistenzkraft mit entsprechenden Aufgaben mitwirken. Nach erfolgreicher Anerkennung erfolgt der nahtlose Wechsel in den Fachkrafttitel nach § 18a oder § 18b AufenthG.

Ablauf des Anerkennungsverfahrens und Anpassungsqualifizierung in der Pflege

Vom Defizitbescheid zur vollen Berufszulassung: Strukturierter Ablauf der Anpassungsqualifizierung nach § 16d AufenthG.

Umfassende und bundeslandspezifische Informationen zum behördlichen Verfahren finden Sie auf dem offiziellen Informationsportal Anerkennung in Deutschland zur Pflegefachkraft.

Status / PfadGesetzliche RechtsgrundlageVoraussetzungen & VergütungZielstatus
Anpassungslehrgang§ 16d Abs. 1 AufenthGTeilanerkennung (Defizitbescheid), B1/B2 Pflege, Vergütung als PflegeassistenzkraftVolle Anerkennung nach erfolgreichem Abschluss
Kenntnisprüfung§ 16d Abs. 1 AufenthGVorbereitungskurs, mündliche und praktische Prüfung an einer PflegeschuleVolle Gleichwertigkeit nach PflBG
Anerkannte Fachkraft§ 18a / § 18b AufenthGVollwertige Berufserlaubnis, B2-Zertifikat, Tariflohn als PflegefachkraftUnbefristete Beschäftigung als Pflegefachfrau/-mann

2. Sprachpraxis auf Station: Fachsprache B2 und Alltagskommunikation

Lehrkraft erläutert praxisnahe deutsche Redewendungen an einer Tafel

Gezieltes Kommunikationstraining: Sichere Fachsprache und vertraute Redewendungen sind im Stationsalltag unverzichtbar.

Für die Berufszulassung in der Pflege verlangen die Bundesländer in der Regel ein allgemeines B2-Sprachzertifikat oder ein Zertifikat für Fachsprache Pflege (z. B. telc Deutsch B1-B2 Pflege).

In der täglichen Stationsarbeit geht es jedoch um weit mehr als um Grammatikregeln:

  • Medizinische Fachbegriffe und Abkürzungen: Die Dokumentation im Pflegeplanungssystem erfordert präzises Vokabular.
  • Einfühlende Kommunikation mit Patienten: Ältere Patienten sprechen oft leiser, nutzen mundartliche Ausdrücke oder leiden unter Demenz. Hier bedarf es Geduld und aktiven Zuhörens.
  • Übergabegespräche im Team: Die schnelle und fehlerfreie Weitergabe relevanter Vitalwerte und Auffälligkeiten zwischen den Schichten ist sicherheitsrelevant.

Viele Einrichtungen unterstützen ihre neuen Mitarbeitenden mit berufsbezogenen internen Sprachcoachings in den ersten sechs Monaten. Auch die Bundesagentur für Arbeit fördert über das BAMF berufsbezogene Sprachkurse für Beschäftigte.

3. Die Stationsintegration: Das Pflegeteam mitnehmen

Der Erfolg der Integration entscheidet sich nicht im Personalbüro, sondern direkt auf der Station. Pflegeteams stehen oft unter hoher Arbeitsbelastung. Wenn neue Kolleginnen und Kollegen ankommen, die am Anfang noch nicht die volle Schichtlast tragen können, darf dies nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden.

Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Feste Einarbeitungspaten benennen: Stellen Sie der neuen Pflegekraft eine feste Ansprechperson zur Seite, die für die Begleitung freigestellt oder zeitlich entlastet wird.
  • Stufenweiser Einarbeitungsplan: Beginnen Sie mit Grundpflege und Vitalwertekontrolle, bevor komplexe Medikamentengaben oder Wundversorgungen schrittweise übertragen werden.
  • Kulturelle Sensibilität fördern: Klären Sie Ihr Team über kulturelle Unterschiede auf. In Vietnam wird Kritik selten vor Dritten geäußert. Feedback sollte daher stets im vertraulichen Vier-Augen-Gespräch stattfinden.

4. Begleitung jenseits des Dienstplans

Fachkräfte, die tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt einen Neuanfang wagen, benötigen Sicherheit im privaten Alltag. Ein behagliches Wohnumfeld, Unterstützung bei Behördengängen, die Anmeldung zur Krankenversicherung und der Anschluss an eine Gemeinschaft sind entscheidende Faktoren gegen vorzeitige Abbrüche.

Einrichtungen, die sich aktiv um die Willkommenskultur kümmern, profitieren von einer überdurchschnittlich hohen Verweildauer und einer hohen Loyalität der Pflegekräfte.

Fachkräfte für Ihre Pflegeeinrichtung gewinnen

Die Rekrutierung von Pflegefachkräften aus Vietnam stabilisiert die Stationsbesetzung dauerhaft, wenn fachliche Vorbereitung, behördliche Genehmigungsverfahren und die betriebliche Einarbeitung eng aufeinander abgestimmt sind.

Einen Überblick über die Betreuung von Pflegebetrieben und qualifizierten Kandidaten bietet DMF Talents zur Fachkräftevermittlung.

Möchten Sie offene Stellen in Ihrem Krankenhaus oder Ihrer Pflegeeinrichtung besetzen? Erfassen Sie Ihren Personalbedarf unverbindlich, um die Anforderungen Ihres Teams und den zeitlichen Ablauf gemeinsam abzustimmen.

B2B-Fachkräfte-Service für Arbeitgeber

Suchen Sie qualifizierte Fachkräfte oder Auszubildende?

DMF Talents begleitet deutsche Unternehmen bei der passgenauen Auswahl, rechtssicheren FEG-Visabeschleunigung und nachhaltigen betrieblichen Integration von Talenten aus Vietnam.

✓Rechtssicher nach FEG & § 296a SGB III
✓Erfolgsbasiertes Honorarmodell
✓Kostenlose Ersatzgarantie bei Abbruch
AnrufenBedarf melden