Azubis aus Vietnam: So bereitet sich der Ausbildungsbetrieb optimal vor
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Azubis aus Vietnam: So bereitet sich der Ausbildungsbetrieb optimal vor

Was muss ein Betrieb vorbereiten, bevor Auszubildende aus Vietnam starten? Dieser Leitfaden strukturiert Betreuung, Wohnraum und den Einstieg in die duale Ausbildung.

Der Entschluss ist gefasst: Ihr Betrieb möchte eine Ausbildungsstelle mit einer motivierten Nachwuchskraft aus Vietnam besetzen. Damit die duale Ausbildung für beide Seiten ein langfristiger Erfolg wird, reicht ein unterschriebener Ausbildungsvertrag allein nicht aus. Vor dem offiziellen Starttermin am 1. August oder 1. September müssen organisatorische, fachliche und menschliche Weichen im Unternehmen gestellt werden.

Dieser redaktionelle Leitfaden fasst die wichtigsten Vorbereitungsschritte zusammen. Er hilft Ausbildungsleitern, Personalverantwortlichen und Geschäftsführern, typische Reibungsverluste zu vermeiden und den Einstieg verlässlich zu strukturieren.

1. Persönliche Betreuung festlegen: Ausbilder und Mentor trennen

In der dualen Ausbildung ist die formale Ausbildungsleitung durch die Kammern (IHK oder HWK) vorgeschrieben. Bei internationalen Auszubildenden hat sich in der Praxis jedoch eine zweigeteilte Begleitung bewährt:

  • Der fachliche Ausbilder: Vermittelt die Ausbildungsinhalte nach dem Rahmenlehrplan, führt regelmäßige Feedbackgespräche und überwacht den Ausbildungsnachweis (Berichtsheft).
  • Ein persönlicher Pate oder Mentor im Betrieb: Idealerweise eine jüngere Kollegin oder ein Kollege im zweiten oder dritten Lehrjahr. Der Pate beantwortet informelle Alltagsfragen: Wie funktioniert die Kantine? Wo meldet man sich bei Verspätung? Welche Kleidung ist auf der Baustelle oder in der Werkstatt üblich?

Wenn eine Nachwuchskraft weiß, an wen sie sich bei Unsicherheiten wenden kann, ohne gleich formale Hürden fürchten zu müssen, verringern sich anfängliche Hemmungen deutlich.

Weiterführende offizielle Hinweise zur rechtlichen Gestaltung und den Pflichten von Ausbildungsbetrieben bietet Make it in Germany zur dualen Ausbildung für internationale Bewerber.

2. Wohnraum und Mobilität: Die größte Hürde vor Einreise klären

Für die Erteilung des Visums zur Berufsausbildung (§ 16a AufenthG) verlangen die deutschen Auslandsvertretungen und Ausländerbehörden unter anderem den Nachweis einer gesicherten Unterkunft. In vielen deutschen Regionen ist bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende knapp.

Ausbildungsbetriebe sollten diese Frage frühestmöglich zur Chefsache machen:

  • Betriebsnahe Unterkunft suchen: Verfügt das Unternehmen über Werkswohnungen, Monteurszimmer oder Kooperationen mit lokalen Wohnungsbaugesellschaften?
  • Anbindung zur Berufsschule prüfen: Ausbildungsbetrieb und Berufsschule liegen oft nicht am selben Ort. Prüfen Sie vorab, ob die Berufsschule mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist oder ob ein Blockunterricht mit Internatsunterbringung erforderlich ist.
  • Erstausstattung bereitstellen: Ein bezugsfertiges Zimmer mit Bett, Schreibtisch und Kochgelegenheit erleichtert das Ankommen in den ersten Wochen enorm.

Klären Sie schriftlich, welche Kosten der Betrieb übernimmt (z. B. Mietzuschuss oder Kaution) und welcher Anteil von der Ausbildungsvergütung getragen wird.

3. Die Berufsschule vorbereiten: Fachsprache und Fachtheorie

Die größte fachliche Herausforderung für vietnamesische Auszubildende liegt selten im handwerklichen oder praktischen Geschick, sondern in der Fachtheorie an der Berufsschule. Selbst mit einem soliden B1- oder B2-Sprachzertifikat ist das Verstehen komplexer Prüfungsaufgaben und Fachbegriffe anfangs anspruchsvoll.

Planen Sie von vornherein Unterstützungsangebote ein:

  1. Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) / AsA flex: Die Bundesagentur für Arbeit bietet mit der Assistierten Ausbildung (AsA) kostenfreien Stütz- und Förderunterricht sowie sozialpädagogische Begleitung für Auszubildende an. Informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit.
  2. Fachwörterbuch und Lernzeit im Betrieb: Stellen Sie Fachliteratur zur Verfügung und räumen Sie wöchentlich feste Lernzeiten ein, in denen Auszubildende den Berufsschulstoff nacharbeiten und Rückfragen stellen können.
  3. Frühzeitiger Kontakt zur Berufsschule: Informieren Sie die Klassenleitung über den Hintergrund der Auszubildenden, um gegenseitiges Verständnis bei sprachlichen Hürden zu fördern.

Moderne Lernumgebung an der DMF Akademie

Moderne Lernumgebung an der Akademie: Gezielte Vorbereitung auf die Anforderungen der dualen Ausbildung.

4. Das Team einbinden: Erwartungen und Willkommenskultur

Die Zusammenarbeit gelingt am besten, wenn auch das bestehende Team gut vorbereitet ist. Informieren Sie Ihre Belegschaft rechtzeitig über den Neuzugang:

  • Aufgaben und Rolle kommunizieren: Erklären Sie, dass der neue Auszubildende zum Lernen im Betrieb ist und am Anfang mehr Erklärungen und Geduld benötigt.
  • Feedbackkultur besprechen: In der vietnamesischen Kultur gilt es oft als unhöflich, Vorgesetzten direkt zu widersprechen oder Unverständnis offen einzugestehen. Ermutigen Sie Ihr Team, Arbeitsanweisungen mit der Bitte um Rückfragen zu verbinden: „Gehen wir den nächsten Schritt kurz gemeinsam durch“, statt nur abstrakt zu fragen „Ist alles verstanden?“.
  • Gemeinsame Pausen ermöglichen: Integration findet vor allem in den Kaffeepausen und beim gemeinsamen Mittagessen statt. Achten Sie darauf, dass Auszubildende von Beginn an in informelle Runden eingebunden werden.

5. Checkliste für Ihren Ausbildungsbetrieb

Nutzen Sie diese Punkte für Ihre interne Vorbereitung (ca. 8 bis 12 Wochen vor Ausbildungsbeginn):

  1. Ausbildungsplatz & Formalien: Ausbildungsvertrag bei der Kammer eingetragen, Ansprechpartner für Ausländerbehörde bestimmt.
  2. Wohnen & Anreise: Mietvertrag oder Unterkunftsbestätigung liegt vor; Transfer vom Flughafen oder Bahnhof organisiert.
  3. Betriebliche Betreuung: Ausbilder und persönlicher Pate sind gebrieft und haben freie Kapazitäten.
  4. Ausstattung: Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsplatz sind vorbereitet.
  5. Behördengänge: Termine für Einwohnermeldeamt, Bankkontoeröffnung und Krankenkassenanmeldung sind vorgemerkt.
VorbereitungsphaseVerantwortlicher BereichKonkrete Maßnahmen
12–8 Wochen vor StartPersonal / GeschäftsführungAusbildungsvertrag bei Kammer eintragen, Visum § 16a abstimmen, Wohnraum sichern
4–2 Wochen vor StartAusbilder & TeamPaten benennen, Arbeitskleidung und Werkzeug bereitstellen, Team über Willkommenskultur briefen
Woche 1 im BetriebPate / AusbilderRundgang, Sicherheitsunterweisung mit visuellen Hilfen, gemeinsames Mittagessen
Laufend ab Monat 1AusbildungsbetriebWöchentliche Reflexionsgespräche, Unterstützung bei Berufsschulstoff (AsA flex prüfen)

Planen Sie Ihre Ausbildungsplätze verlässlich

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